Ich sitze trotzdem am Rechner und versuche zumindest so zu tun, als würde ich mich irgendwie beschäftigen. Gleicher Schreibtisch, nur der Rechner ist inzwischen mein eigener, nicht mehr der Firmenlaptop.
Wenn du solche Tage gerade kennst, ist dieser Artikel für dich.
Ich habe mir angesehen, was man findet, wenn man nach beruflicher Neuorientierung mit 50 sucht. Bewerbungstipps. Hinweise, wie man den Lebenslauf entschlackt. Und erstaunlich oft den Satz, dass es nie zu spät ist.
Das mag ja stimmen. An so einem Tag am Schreibtisch hilft es dir aber herzlich wenig.
Was irgendwie niemand wirklich anspricht, sind diese ganzen Tage, in denen eigentlich überhaupt nichts passiert. Die Wochen und Monate, in denen du nicht mehr in deinem alten Job bist und noch nirgends angekommen. In denen du nicht weißt, ob du dich weiter bewerben, eine Weiterbildung machen oder irgendwann doch etwas Eigenes anfangen sollst. Für Bewerbungen gibt es Coachings, oft sogar vom Arbeitsamt bezahlt. Für die Gründung gibt es Programme, Netzwerke und Webinare ohne Ende. Für die Phase, in der du noch gar nicht weißt, wohin, gibt es dagegen wenig, das dich nicht schon in eine Richtung schiebt.
Bei mir waren es fast 30 Jahre im Konzern. Marketing, gute Position, und ich war gern da. Dann kam die Umstrukturierung. Noch während der Freistellung habe ich eine Ausbildung zur KI-Trainerin gemacht, selbst bezahlt, eigentlich nur, damit sich der Lebenslauf besser liest. In einem halben Jahr Bewerbungen kamen trotzdem nur zwei Gespräche zustande.
Und dann ist erst mal ein Jahr lang wenig passiert.
Das klingt vielleicht nach Nichtstun. War es aber nicht. Eher so ein Zustand, in dem man ständig beschäftigt ist und trotzdem nicht vorankommt. Bewerbungen schreiben. Jobvorschläge aus der App wegklicken. Mein absurdester war Baumarktleitung. Gut gemeinte Ratschläge anhören. Und abends die Frage zuhause, wie das eigentlich werden soll, wenn das Arbeitslosengeld ausläuft. Mein Mann stellt sie bis heute. Inzwischen meint er damit meinen Umsatz.
Fast jedes Angebot setzt voraus, dass du schon weißt, was du willst. Ein Bewerbungscoaching geht davon aus, dass eine neue Stelle das Ziel ist. Ein Gründungskurs geht davon aus, dass du gründen willst. Und wenn du beides noch nicht weißt? Dann fühlst du dich in beiden irgendwie falsch.
Bei mir kam der Druck sogar von der Stelle, die eigentlich helfen sollte. Um zehn weitere Einheiten Gründungscoaching musste ich bei der Frau vom Arbeitsamt betteln. Dazu gab es den Satz, ich solle mich jetzt aber mal ranhalten mit der Gründung. Im Sinne der Solidargemeinschaft. In die ich ja schließlich 30 Jahre eingezahlt habe.
Ich glaube inzwischen, genau da liegt der Knackpunkt: Du sollst eine Entscheidung treffen, für die dir die Grundlage fehlt. Was kann ich eigentlich, wenn man den alten Jobtitel weglässt? Wofür haben andere mich immer wieder gefragt? Und was davon hält einem ehrlichen Blick von außen stand?
Diese Fragen beantwortet man nicht in einer Woche. Aber man kann anfangen, sie ernsthaft zu stellen. Eine KI kann dabei erstaunlich gut helfen. Nicht als Wundermittel, sondern als Sparringspartnerin, die widerspricht, wo man sich etwas schönredet. Den Menschen, der früher im Büro gesagt hat „Das trägt nicht“, gibt es ja nicht mehr.
Ehrlich gesagt war es weder ein besserer Lebenslauf noch die nächste Weiterbildung. Es waren andere Frauen, denen es genauso ging.
Ich kenne bis heute genau eine. Kennengelernt habe ich sie durch Zufall, bei einer Online-Veranstaltung vom Arbeitsamt.
Deshalb biete ich inzwischen eine kleine Gruppe für Frauen 50+ an, die ihren Job verloren haben und noch nicht wissen, wohin. Und wenn du erst mal für dich sortieren willst: Mit dem kostenlosen Workbook „Was jetzt?“ findest du in einer Stunde heraus, was du nach all den Jahren wirklich kannst.
Ich weiß nicht, in welcher Phase du dich gerade befindest - noch motiviert für die Bewerbung oder schon frustriert, ratlos oder entschlossen, es mit der Selbstständigkeit zu versuchen.
Jede dieser Phasen ist in Ordnung. Nur allein durchstehen musst du keine davon.
Workbook „Was jetzt?“
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